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Mensch-Pferd Beziehung
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Extreme Mustang Makeover American Mustang Germany Yvonne Gutsche Horsemanship



Yvonne Gutsche und Wild Rose – das Herzenspferdpaar des Mustang Makeovers

Ein Mensch-Pferd Paar des ersten Mustang Makeovers hat eine besondere Geschichte, die viele Menschen während des Events auf Facebook verfolgt haben. Wir fassen diese Herzenspferd-Geschichte zusammen und sagen wie es mit den beiden weitergeht.

Veröffentlicht am 16.08.2017 / Zuletzt aktualisiert am 08.11.2017

Die Verlosung

Erstes Maiwochenende am Frankfurter Flughafen:Tag der Zulosung der Mustangs für das erste Mustang Makeover Germany zu demjenigen Trainer, der das Pferd die kommenden 90 Tage ausbilden sollte.

Yvonne Gutsche wollte eigentlich partout keine Videos der Mustangs vor der Ankunft der Pferde anschauen. Durch Zufall sah sie trotzdem auf Facebook das Video mit der Schimmelstute, damals noch mit TAG und Nummer versehen und verliebte sich spontan in die Stute. Die kleine Grauschimmelstute zog Yvonne sofort in ihren Bann. Kurz vor der Verlosung sagte mir Yvonne noch, dass sie sich die kleine Stute wünschte und war mehr als aufgewühlt, weil sie die Chance genau dieses Pferd zu ziehen als „verdammt gering“ eingeschätzt hat. Ein Wink des Schicksals, dass sie ausgerechnet dieses eine der insgesamt 16 Pferde tatsächlich zugelost bekam?

Yvonne und sie machte sich Sorgen, dass die Schimmelstute diese Gefühle ihr gegenüber auch zurückgeben würde. und eine Harmonie zwischen den beiden entstehen könnte. Sie hatte längst einen Namen für die kleine Mustangstute: „Wild Rose“.

Sympathie auf Gegenseitigkeit als Basis für eine gute Beziehung zwischen Mensch und Pferd

Es ist alles Beziehung, was wir Menschen mit einem Tier eingehen, sagt Yvonne. Daher ist es ihr auch extrem wichtig, dass beide Seiten – Mensch und Pferd - miteinander können und beide auf einer Wellenlänge schwimmen. Man muss ich sympathisch sein, nur so kann eine gute Beziehung und Partnerschaft aufgebaut werden, ist Yvonne sich sicher. Den anderen so zu nehmen wie er ist, ist dafür ganz wichtig. So war es Yvonne sehr wichtig, dass Rose auch genauso Sympathien für sie entwickeln würde.

Aufbau auf der Arbeit der deutschen Trainerin in Amerika

Um die Pferde überhaupt transportfähig zu machen, wurde eine Trainerin engagiert mit der Aufgabe, die Pferde soweit zu bekommen, dass sie sich zumindest berühren lassen und am Halfter ein paar Meter geführt werden können. Die Basics für einen Transport nach Deutschland. Alles andere sollten die jeweiligen Trainer des Mustang Makeovers in Deutschland übernehmen. Yvonne lobt die Arbeit der Trainerin in Amerika, sie habe einen megagenialen Job gemacht, indem sie den Pferden beigebracht hat, sich immer den Menschen zuzuwenden. Rohe Wildpferde wenden sich erstmal vom Menschen ab. Für Yvonne ein guter Grundstein, um mit der Ausbildung in D beginnen zu können.

Die erste Interaktion

Das erste Treffen zwischen den beiden fand am Tag nach der Verlosung statt. Nach dem Transport wurde Rose betont nicht angefasst und nur direkt vom Hänger in einen extra abgeteiltes Paddock herausgelassen. Dort verbrachte Rose die erste Nacht auf Yvonnes Hof. Am Anfang war Yvonne erstmal wichtig, sich zurückzunehmen und der Stute die Möglichkeit zu geben, die lange Reise und die neue Umgebung zu verarbeiten. Anstatt sie Reiz zu überfluten hat Yvonne ihr erstmal das Recht eingeräumt müde zu sein und eine Pause zu brauchen. So ist sie auch erstmal mit einer Null-Erwartung an das Pferd herangegangen und hat der Stute Zeit gegeben, den ersten Schritt zu machen, wenn immer sie dazu bereit war. Yvonne setzte sich also erstmal auf einen Heuballen und wartete – und kaute Mohrrüben. „Ich habe gewartet, bis die königliche Hoheit um eine Audienz gebeten hat.“. resümiert Yvonne augenzwinkernd. Irgendwann kam sie und hat geschnuppert. Immer wieder ist sie direkt weg und irgendwann ist sie geblieben. Yvonne hat sie irgendwann an der Schulter berührt und den Mähnenkamm gekrault, schüchtern untersucht von Rose. Darauf hat Yvonne das Kraulen ausgeweitet und eine Entspannungsmassage angeboten. Der erste Schritt zur Eroberung eines Mustangherzens war damit gelungen!

Das unbeschriebene Blatt

Yvonne hatte bereits mit anderen Wildpferden wie Koniks und Dülmenern Erfahrungen gesammelt. Sie fasst den Unterschied zwischen Hauspferden und den sogenannten Wildpferden metaphorisch zusammen. Ein Wildpferd wie einen Mustang vergleicht Yvonne mit einen unbeschriebenen weißen Blatt Papier. Keine Einträge in Bezug auf den Menschen, weder positiv noch negativ.

Die kleine Hexe

Yvonne verbrachte viel Zeit damit, Rose erstmal richtig kennenzulernen. Sie beschreibt sie als extrem mutiges aber auch sensibles und feines Pferd, das Zeit und souveräne Führung braucht. Sie bietet so viel an. Bei einer starken Führung, lehnt sie sich gerne an. Wenn sie sich anschließen will, tut sie das zu 100%, erwartet aber dafür absolute Klarheit von ihrem Menschen. Rose lernt extrem schnell, ist wie ein kleiner Stalker und beobachtet ihren Menschen viel. Wenn die Stute beschlossen hat, dass etwas ungut ist, braucht das seine Zeit, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Wie alle ihre Pferde vergleicht Yvonne Rose mit einer Comicfigur. Sie nennt sie liebevoll die kleine Hexe in Analogie zu der Figur von Otfried Preußler. Sie will alles richtig machen und Gutes erreichen, man muss ihr aber manchmal aus ihrem Eifer raushelfen. Yvonne liest ihre guten Denkansätze und belohnt sie direkt.

Entwicklung von Rose in den letzten 90 Tagen

Yvonne ist wichtig zu betonen, dass ein Mustang in 90 Tagen zwar gezähmt und angearbeitet ist, von fertig ausgebildet ist ein solches Pferd allerdings noch weit entfernt. Die ersten Tage und Wochen standen erstmal im Zeichen von Basisarbeit. Erstes Ziel: Gesundheitsbehandlungen möglich machen. Anfassen und berührt werden üben, Hufe geben, Fieber messen zulassen. Das war Yvonne wichtig, um im Falle eines Falles das Pferd behandeln zu können. Danach folgte die weitere Ausbildung am Boden und später unter dem Sattel. Rose macht extrem viel und es wird beim Zuschauer der Schein eines ausgebildeten Pferdes erzeugt. Yvonne hat ziemlich viel mit ihr gemacht, um sie viele verschiedene Situationen kennenlernen zu lassen. Die Stute hat schnell gezeigt, dass sie das perfekte Film- und Stuntpferd werden will. Zum Beispiel als sie beim Dreh zum Begleitfilm des Mustangmakeovers „Aus Liebe zum Mustang „ mit Yvonne hinter der Heckklappe des Filmteams her galoppiert.

Yvonne betont, dass so etwas mit einem erst so kurzfristig angerittenen Pferd nur geht, weil Yvonne weiß, wie sie die kleine Stute abzuholen hat. Ihr war es vor allem wichtig, innerhalb der 90 Tage bei Rose Vertrauen in uns Menschen aufzubauen und Negativerfahrungen zu vermeiden, das unbeschriebene Blatt „Wild Rose“ mit jede Menge guten Erfahrungen und Vertrauen zu beschreiben.

Nach den 90 Tagen ist Rosie so vertrauensvoll, dass die kleine Nichte Alea mit acht Jahren in allen drei Gangarten auf ihr reiten kann und die Stute auf die kleine aufpasst. Sie ist Teil der Herde von Yvonne geworden und ihren Platz gefunden.

Das Finale – das Mustang Makeover Event in Aachen

Yvonne ist einfach nur dankbar, dass das Pferd sich so auf sie eingelassen hat und ihr Herz über Bord geworfen und sich eingelassen hat. Yvonne nahm sich gar nicht wichtig in dem Trainercontest. „Ich bin nur so gut, wie ich es schaffe, dass das Pferd sich auf mich einlässt.“, fasst Yvonne ihre Einstellung zusammen.

Am ersten Finaltag war Rosie – wie die meisten anderen Mustangs – sehr beeindruckt von der Kulisse des Deutsche Bank Stadions in Aachen. Der Applaus in der sehr gut besetzten Arena machte der Stute noch zu schaffen. Wie Yvonne hinterher sagte, war Rosie sehr besorgt und auch aus Reitersicht deutlich zu fühlen, so dass Yvonne die Anforderungen an die Stute in den einzelnen Prüfungsteilen runtergeschraubt hat und auf einige Elemente, die zuhause schon gut geklappt hatten, verzichtete. Aber natürlich merkte man der Stute die Sorgen und auch die vielen Eindrücke in der Arena trotzdem an. Auftrittserfahrungen konnte die Stute schon vorher in Mainz auf der Rhein-Main Messe sammeln, allerdings in wesentlich unspektakulärer Atmosphäre. Dort konnte man schon sehen, welches Riesenvertrauen die Stute in ihre Ausbilderin setzt.

Die letzte Prüfung, das Freestyle Finale lies Yvonne aus. Die zwei Wettkampftage hatten die kleine Stute bereits sichtlich geschafft, Yvonne fand es der Stute schuldig, sie rauszunehmen. Sie wäre n der Führung unglaubwürdig geworden, wenn sie anders entschieden hätte, ist Yvonne sich sicher. Keine Show der Welt ist es wert, die seelischen Grenzen der Stute zu überschreiten. Yvonne war es wichtig, Rückrat zu zeigen und für ihre Entscheidung geradezustehen und war sichtlich erleichtert, dass die auch so von allen respektiert wurde. So ließ Yvonne Wild Rose lieber nochmal am Halfter die Atmosphäre in der Arena erkunden und ritt selber ihr erfahrenes Showpferd Bailey, um den Zuschauern trotzdem Unterhaltung zu bieten. Eine absolute Pro-Pferd Entscheidung, die Veranstalter und Zuschauer gleichermaßen verstanden. Die Stute hat die ganze Zeit über Vertrauen in ihre Trainerin gezeigt, Yvonne hat das Vertrauen gerechtfertigt, um keine Negativerfahrungen bei Rose zu setzen.

Die Versteigerung der Mustangs

Nach dem Finale kam der schwierigste Teil, der Teil, der Yvonne am meisten Angst machte: die Versteigerung der Mustangs. Die ganze Familie von Yvonne hatte Angst vor der Versteigerung. Längst war klar, dass keiner mehr das neue Familienmitglied Rose wieder hergeben wollte! Nichte Alea saß den ganzen Nachmittag bei Rose in der Box weinend vor Anspannung, weil sie Rose nicht verlieren wollte. Nach Hoffen und Bangen wurde schließlich alles gut, Yvonne schaffte es, Rose selber zu ersteigern. Jetzt gehört Wild Rose offiziell in Yvonnes Familie. Die Zukunftsplanung kann beginnen!

Wie geht es weiter mit Rosie?

Yvonne lässt Rosie erstmal durchschnaufen und ausruhen nach der Veranstaltung in Aachen. Yvonne bezeichnet das salopp als „Lila Laune Programm“. Danach möchte sie das bisher Erarbeitete mit Rose festigen und sie in weiteren Veranstaltungen an Vorstellungen vor Publikum reinwachsen lassen und ihr ein positives Gefühl dabei vermitteln. Bailey, das erfahrene Showpferd, ist dann auch wieder dabei, sie macht die Hauptarbeit und Rose darf erstmal einfach im Ring mitlaufen. Natürlich steht aber auch der Muskelaufbau und die Gymnastizierung auf dem Programm, denn Rose soll gesund bleiben.

Engagement für die Mustangs

Yvonne ist sehr dankbar für die Chance beim ersten Mustang Makeover Germany als Trainerin dabei sein zu dürfen und natürlich für die Freundschaft mit Rose. Sie hat ihren Traineranteil plus einen weiteren Geldbetrag in die neue IG Mustang gespendet, um so etwas für die Mustangs in den Auffangstationen in den USA tun zu können. Außerdem bietet sie Mustangbesitzern einen Rabatt auf Unterricht und Beritt an. Sie möchte so unterstützen, dass sich Mustangkäufer in Deutschland fachkundige Ausbilder suchen.

 

Fotos: Yvonne Gutsche; Equus Photography

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen