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Schmerzensangelegenheit - Wie erkennt man Schmerzen beim Pferd?

Veröffentlicht am 25.09.2017 / Zuletzt aktualisiert am 26.10.2017

Könnte ein Pferd einfach sagen „Ich habe Schmerzen.“ so wie Menschen das können, wäre es für den Besitzer kein Problem, den Schmerz so schnell wie möglich zu lindern oder therapeutisch zu behandeln.

Doch genau hier liegt das Problem: Da sich Pferde eben nicht verbal äußern können, muss der Mensch sein Pferd sehr gut kennen, um Zeichen des Schmerzes zu identifizieren. Aus diesem Grund sollten wir uns die Zeit nehmen, unsere Pferde nur zu beobachten und die Nuancen ihrer Ausdrucksweise kennen und einschätzen zu lernen. Dies erleichtert im Akutfall eine erste Diagnose, da Pferde meist stumme Leider sind. Pferde sind Fluchttiere und dürfen deshalb keine Schwächen zeigen. Sich verletzt und kraftlos zu präsentieren ist immer eine lebensbedrohlich Situation in der freien Wildnis. Aber auch innerhalb einer Herde werden Schwächen sofort erkannt und je nach Handicap von der Gruppe verlassen. Auch wenn sich die Lebenssituation domestizierter Pferde deutlich von ihren Artgenossen in freier Wildbahn unterscheidet und sie keinen Feind fürchten müssen, ist ihnen der Instinkt „keine Schmerzen zu zeigen“ geblieben. Sie leiden meist introvertiert und stumm.

Dabei müssen wir ganz deutlich zwischen akutem Schmerz und chronischem Schmerz unterscheiden: Ein akuter Schmerz ist leicht zu erkennen z. B. durch Unruhe, Tritte an den Bauch, Kopfschütteln, Wälzen oder starre Körperhaltung. Mit diesen Verhaltensmustern kommuniziert das Pferd deutlich, dass es ist in Not ist. Doch auch Symptome wie Lahmen, Schwitzen oder Nasenfluss weisen auf eine Erkrankung hin.

Chronische Schmerzen hingegen werden oft nicht oder erst sehr spät erkannt. Sie kommen schleichend und verstärken sich über einen längeren Zeitraum. Typische Anzeichen bei einem betroffenen Pferd sind dabei Aggression, Steigen, Buckeln, Durchgehen oder Stehenbleiben. Diese Verhaltensauffälligkeiten wiederum zeigt das Pferd nur in bestimmten Situationen, in welchen der Schmerz nicht mehr zurückgehalten werden kann. Das Pferd trifft eine Entscheidung für sich, wie wichtig es ist, aus dieser Schmerzzone zu entkommen. Diese Reaktionen werden von uns oft falsch interpretiert und als Ungehorsam beurteilt und bestraft. Hier sollte man immer erst hinterfragen, warum das Pferd plötzlich so reagiert und nicht direkt als Ungehorsam bewerten.

Die Gestik der Pferde bei Schmerz ist eine ganz andere als bei Widersetzung:

Die Nase ist gekräuselt (auch bei Dauerschmerzen), Kiefermuskulatur ist fest, angespannte Muskulatur um die Augen, Augenlider oft nach oben gezogen, Kinn ist spitz geformt, die Ohren sind deutlich nach hinten gelegt, der Hals konstant nach unten hängend. Appetitlosigkeit ist meist auch ein Zeichen des Unwohlseins. Außerdem stöhnen Pferde oft ganz kurz bei Bewegungen, die ihnen Schmerzen bereiten.

Nachfolgend einige Anzeichen, die auf Schmerz bei Ihrem Pferd hinweisen könnten, sobald sie plötzlich auftreten:

  • Plötzliches Drohen beim Aufsteigen
  • Das Pferd erscheint sehr faul
  • falscher Galopp, Kreuzgalopp
  • Probleme bei der Gymnastizierung
  • zügiges Weglaufen beim Aufsteigen
  • ein eher faules Pferd, das beim Reiten konstant rennt
  • das Pferd geht nicht mehr gerne auf die Koppel
  • das Pferd meidet die Herde
  • bei Gewohnheiten, die das Pferd früher genossen hat, reagiert es plötzlich mit Abneigung.

Das Pferd teilt seinen Schmerz oder sein Unwohlsein nicht jedem mit, der Kontakt mit ihm pflegt. Es ist eine reine Vertrauenssache und Sensibilität und eine gute Kommunikation zwischen Pferd und Mensch sind Voraussetzung.

Ein Beispiel: Ein Trainer der ein Pferd einmal die Woche trainiert und auch gut mit dem Pferd zurechtkommt, hat nicht automatisch das Vertrauen des Pferdes. Es ist gut möglich, dass er von einem chronischen Schmerz nichts mitbekommt, die Halterin jedoch schon des Häufigeren eine deutliche Schmerzreaktion von dem Pferd mitgeteilt bekommen hat. Schauen Sie sich ihr Pferd genau an und beurteilen Sie, ob es Schmerzen hat. Oft ist das erste Bauchgefühl das richtige.

Kontaktdaten der Autorin:

info@edinge-pvt.de www.edinge-pvt.de

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von Alexandra Edinge

Schlagwörter: Schmerzen Akute Schmerzen Instinkte

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen