Turnier-(Wett)= Kampf, Stress, Angst und Druck ?

Veröffentlicht am 08.05.2018 / Zuletzt aktualisiert am 24.07.2018

Jetzt fängt wieder die grüne Turniersaison an und Land auf und ab finden kleinere und größere Turniere an den Wochenenden statt. Für die einen ist es eine willkommene Abwechslung des Trainingsalltages, wo sie Freunde und Kollegen wiedertreffen, sich austauschen und beim Kaffee oder dem „must-have“-Pommes-rot-weiß das Turniergeschehen verfolgen.

Für andere Reiter bedeutet das Starten auf dem Turnier Zweifel, Angst, Stress, Druck- das Verlassen seiner eigenen Komfortzone. Was wird mich diesmal erwarten? Kann ich meine Leistung punktgenau abrufen? Wer sind meine Konkurrenten und Mitreiter? Was sagen Trainer, Eltern, Freunde, Stallkollegen, Sponsoren, wenn man (wieder) hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist? Was passiert, wenn man sich von Richtern im Vergleich zu Mitreitern ungerecht behandelt fühlt?

In all diesen Situationen können die negativen Emotionen (Wut, Angst, Scham, Ärger und Trauer) überhandnehmen. Hilflosigkeit und Aggressionen münden nicht selten in ungerechtem Handeln gegenüber dem Pferd und der Umwelt. Damit das Turnier (wieder) mit Leichtigkeit, Freude und als harmonisches Zusammenspiel mit dem Pferd gelingt, ist eine gute (mentale) Vorbereitung sehr wichtig.

 

1. Meine Werte:

Warum starte ich auf Turnieren? Was genau ist mir dabei wichtig? Was ist meine Motivation? Reicht diese aus, um eventuellen Schwierigkeiten zu begegnen?

 

2. Meine Ziele:

Habe ich ein Ziel? Welches? Für welchen Zeitraum (Training, Saison, Jahr)? Ist mein Trainingsplan (gibt es einen) darauf abgestimmt? Wie sieht dieses Ziel aus? Ergebnisorientiert (Siege, Platzierungen…) oder Handlungsorientiert (Wie soll was geritten werden..)

 

3. Gedankenmanagement:

Welche Gedanken dominieren? Auf dem Abreiteplatz? Im Viereck? Im Parcours? Wie sehen meine Selbstgespräche aus? Sehe ich nur meine Schwächen und Fehler? Oder kann ich mich an positive und erfolgreiche Dinge und Situationen erinnern und darauf zurückgreifen?

 

4. Fehlermanagement:

Wie gehe ich mit Fehlern um? Dienen sie mir als Bestätigung meiner Selbstzweifel und negativen Selbstgespräche? Oder sehe ich sie als Chance zur Veränderung? Als Anstoß zur Selbstreflexion? Als Impuls zur Kurskorrektur? Analysiere ich die Situation, die zum Nicht-Erreichen des Ziels führte? Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Oder suche ich die Fehler im Außen? Bei den Umständen (Wetter, Bodenverhältnisse)? Personen (Richter, Trainer, Mitreiter) …?

 

5. Emotionsmanagement:

Kann ich mit negativen Emotionen, Rückschlägen und Kritik umgehen? Kenne und habe ich Mechanismen etabliert, mit denen ich negative Emotionen kontrollieren und ableiten kann? Bleibe ich berechenbar, konsequent und fair zu meinem Pferd? Kann mein Pferd mir auch in solchen Situationen vertrauen und sich sicher fühlen?

 

Alle diese Punkte sollten vor jedem Start (Saison, Turnier) geklärt und überdacht werden. Dabei kommt der Zielsetzung eine besondere Bedeutung zu. Denn: ERFOLG ist das ERREICHEN seiner ZIELE!! Wer sich über die oben genannten Punkte im Vorfeld Gedanken macht und diese schriftlich festhält, wird sich Stück für Stück weiterentwickeln. Das reiterliche Können und das Vertrauen in sich und sein Pferd werden wachsen. Faktoren für den Erfolg werden sichtbar.

Dadurch wird man weniger angreifbar durch Kommentare oder Erwartungen von außen. Die Konzentration und der Fokus liegen auf der eigenen Weiterentwicklung. So kann das Turnier zur Kontrolle des Fortschrittes von Pferd und Reiter dienen, ohne dabei den Spaß und die Freude zu verlieren.

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen