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"Stallgassen-Themen"
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Mobbing Mentaltraining Birgit Harenberg



Was tun gegen Mobbing im Reitstall?

Tipps und Strategien von Mentalcoach Dr. Birgit Harenberg.

Veröffentlicht am 25.05.2017 / Zuletzt aktualisiert am 27.08.2017

Üble Nachrede, Missgunst, Stoken, Häme, Zwietracht- das Zusammenleben im Reitstall hat nicht nur schöne Gesichter. Erlebt haben wir das sicher alle schon mal. Die Gruppe der Einsteller verstummt, dreht sich weg oder löst sich auf. Die Zuschauer an der Bande geben „gut gemeinte“ Ratschläge oder beobachten und beurteilen die Aktiven ohne Wertschätzung und Wohlwollen. Wie kann man damit umgehen ? Wie werde ich „resilienter“ gegen diesen Druck von außen?

Das Selbstbewusstsein stärken

In die Opferrolle geraten häufig Menschen, deren Selbstbewusstsein nicht stark ausgeprägt ist. Dies erkennt man meistens schon von weitem: am Gang, an der Körperhaltung, an der Art zu argumentieren oder eben nicht zu argumentieren, Raum einzunehmen. Das erste Ziel sollte der Aus- und Aufbau von Selbstbewusstsein sein. Zudem ist es hilfreich, sich seiner Selbstwirksamkeit bewusst zu werden.

Folgende Fragen sind dafür behilflich:

  • Was können mein Pferd und ich gut? 10 und mehr Dinge aufschreiben, die gut gelingen.
  • Was sind / waren unsere größten Erfolge? Auf ein großes Blatt notieren und mit Fotos ergänzen. Diese Kollage gut sichtbar aufstellen oder zum Beispiel über den Schreibtisch aufhängen.
  • Wie habe ich diese Erfolge gefeiert? Habe ich sie überhaupt gefeiert?
  • Wer und was hat mich dabei unterstütz? Auf wen konnte ich „zählen “?

Die Körperhaltung optimieren

Wie stehe ich? Wie gehe ich? Wie spreche ich? Gehe ich mit gesenktem Kopf und hängenden Schultern durch die Gegend? Oder nehme ich mir Raum, stehe aufrecht, suche und halte ich Blickkontakt?

Probiert diese unterschiedlichen Haltung einmal bei der Freiarbeit mit euren Pferden aus! Wann folgt euer Pferd wem? Folgt es dem Schüchternen? Oder dem Selbstbewusstem?

Die Standortanalyse

Um sich weiterentwickeln zu können, muss man erstmal die Standortfrage klären:

  • Wo stehe ich?
  • Was möchte ich?
  • Was sind meine Werte?
  • Was ist mir wichtig beim Reiten?
  • Wie möchte ich reiten?
  • Warum reite ich überhaupt?
  • Sind für mich Harmonie, Partnerschaft, Verantwortung, emotionale Bindung, Freiheit, Abenteuer und Natur wichtig? Oder spielen Anerkennung, Leistung, Ansehen, Wettkampf, Bestätigung, Ehrgeiz und Siegen im Vordergrund?

Zielfokussierung

Für mehr Klarheit sorgt das Formulieren von Zielen. Wie lautet mein Ziel? Ist es wirklich mein Ziel? Oder das meines Trainers? Meiner Eltern? Meiner Umgebung? Passt mein Ziel zu meinen Werten? Ist mein Ziel SMART formuliert, damit ich es auch erreichen kann? Es ist sehr wichtig zu wissen, wohin man möchte. Nur wer ein Ziel hat, kommt auch irgendwo an!

Erfolg ist das Erreichen deiner selbstgesetzten Ziele!

Das muss von außen nicht unbedingt sichtbar sein. Der Späteinsteiger kann somit erfolgreicher, zufriedener und glücklicher sein, weil er endlich den lang ersehnten Ausritt gemeistert hat, als ein Turnierreiter, der jede Woche zum Wettkampf fährt und ab und zu mal eine Schleife mitbringt. Deshalb sollte man sich jede Trainingsstunde ein Ziel setzt und einen Trainingsplan erstellen. Fortschritte dokumentiert man in einem Erfolgstagebuch. Die so sichtbar gemachten Erfolge stärken das Selbstbewusstsein und man kann Kommentaren von außen besser begegnen.

Netzwerke und Unterstützer

Immer noch gilt der Satz: „Gemeinsam sind wir stark !“ In Reitställen bilden sich schnell Gruppen und Clicken, die (scheinbar) die selben Interessen haben. „ Anders Denkende“ werden nicht integriert, ausgegrenzt, abfällig betrachtet und bewertet. In solchen Fällen sollte sich man sein Umfeld genau anschauen.

  • Wen gibt es noch?
  • Wer hat gleiche oder ähnliche Interessen wie ich?
  • Mit wem kann ich mich zusammen tun?
  • Wer tut mir gut?
  • Wer kann mir helfen?
  • Wer kann mich bei (reiterlichen) Problemen unterstützen?

Dies sind erste Schritte heraus aus der Opferrolle. Nicht passiv alles ertragen, sondern mit Überlegungen und Strategien ins Handeln kommen. Mentale Übung: Visualisieren Die Mental Technik des Visualisieren hilft dabei, bevorstehende Situationen erfolgreich zu meistern. Es ist das gedankliche Durchspielen der Situation im Kopf. Man kreiert sozusagen den eigenen Erfolgsfilm im Kopf. Dabei ist es wichtig, alle Sinne mit einzubeziehen. Nur so wird das Unterbewusstsein auf das bevorstehende Ziel programmiert.

Konkret:

  • Wie begegne ich der Gruppe der „ Lästerziegen“?
  • Wie stehe ich?
  • Was sage ich?
  • Wie verhalte ich mich?
  • Wie reagieren ich souverän auf verbale Attacken?
  • Und wie sehen die Gesichter aus, wenn eine ironisch, witzige Antwort erfolgt ?

Übung aus dem NLP

Fällt es einem schwer, dem Wortführer dieser Gruppen gelassen und souverän entgegen zu treten, hilft eine Technik aus dem NLP(NeuroLinguistischesProrammieren= Sammlung von Kommunikationstechniken, die zu planbaren, bewussten und zielgerichteten Handlungen führt): das Arbeiten mit Submodalitäten. Hierbei stellt man sich vor, wie der Gesprächspartner sich verändert. Mann kann mit der Größe spielen; ihn also ganz, ganz klein machen. Oder aufgeblasen wie einen großen Luftballon. Man kann sich vorstellen, er spricht wie Mickey Mouse oder er ist ganz in Rosa gekleidet. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da diese Vorstellungen oft recht witzig sind, kommt automatisch ein Lächeln in Gedanken dazu, so dass der Druck, die Angst und Anspannung weichen kann.

Mental Übung: Schutzglocke

Es gibt häufig Situationen, in denen ist man völlig abgelenkt und blockiert. Zum Beispiel wenn Person xy am Rand steht. Sei es im Training oder im Wettkampf. Dahinter steht meistens die Angst, dass andere schlecht über einen urteilen. Man sei nicht gut genug für das Pferd, nicht konsequent, überfordert….. Was passiert in solchen Situationen? Die Konzentration und die Aufmerksamkeit der Gedanken richtet sich nach außen. Man verspannt sich, das Pferd nimmt dieses wahr und reagiert darauf. Die Leistung von Pferd und Reiter verschlechtern sich. Ein Teufelskreis beginnt. In solchen Fällen hat sich die Schutzglocke bewährt. Dies ist eine virtuelle Glocke aus Licht oder Glas um sich und sein Pferd. Alle äußeren Einflüssen prallen an der Außenwand ab. Die Konzentration kann bei Reiter und Pferd bleiben. Geräusche, Kommentare und Blicke kommen nicht zu dem Reiter durch. Dieser kann sich wieder auf seine Aufgabe konzentrieren.

Ausblick

Konflikte und Reibereien gibt es in größeren Gruppen immer mal wieder. Da hilft es das eigenen Verhalten zu reflektieren, seinen Standort zu klären und sich auf sein Ziel zu fokussieren. Dies verhilft zu mehr Klarheit.Die Übungen aus dem Mental Coaching schaffen Abstand und Distanz zu negativen und hinderlichen Einflüssen. Das Ansprechen von Konflikten und die gemeinsame Suche nach Lösungsansätzen kann Störfeuer in der (Reit-)Gemeinschaft bereinigen und einen Neustart möglich machen. Wenn alles Bemühen jedoch nicht hilft. Man immer noch mit Bauchschmerzen zum Pferd fährt, keine Unterstützung erfährt und keine Perspektive mehr sieht, dann sollte man über einen Stallwechsel intensiv nachdenken.

 

Dr. Birgit Harenberg (Foto) ist Sport-Mental und wingwave Coach. Sie betreut Reiter aus allen Disziplinen und allen Leistungsklassen bei Fragestellungen wie Leistungssteigerung, Bewegungsoptimierung, Lampenfieber, Prüfungsangst, Ängste und Blockaden. Näheres unter: www.Ridersmind.de

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen