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Die Bedeutung des Schritt-Reitens für Ross und Reiter

Der Schritt wird immer wieder in seiner Bedeutung unterbewertet. Sowohl vom Standpunkt der Gesunderhaltung aus, als auch aus Sicht der Trainingsrelevanz für Ross und Reiter. Dabei ist er vielleicht die wichtigste Gangart überhaupt...

Veröffentlicht am 20.05.2017 / Zuletzt aktualisiert am 08.11.2017

Der Schritt wird immer wieder in seiner Bedeutung unterbewertet. Sowohl vom Standpunkt der Gesunderhaltung aus, als auch aus Sicht der Trainingsrelevanz für Ross und Reiter. Oft werden die Pferde im Schritt warm „gelatscht". Mit hingeworfenen Zügeln und telefonierenden Reitern. Gearbeitet wird dann im Trab und Galopp. Im Gelände sieht es manchmal nicht anders aus. Vor allem aber mit Blick auf die Gesunderhaltung müssen wir Pferdebesitzer dem Schritt mehr Beachtung schenken!

Schritt in freier Wildbahn

Es sind Untersuchungen gemacht worden, die belegen, dass ein frei lebendes Pferd je nach Vegetation seiner Umgebung und Rasse 6-10 km pro Tag im Schritt zurücklegt. Dabei ist der Kopf gesenkt durch die stetige Futteraufnahme. Das Nacken-Rücken-Band übernimmt in dieser Haltung einen Großteil der statischen Haltefunktion und entlastet somit die Muskulatur. Das Pferd trainiert im Schritt Kraft und Kondition, ohne dabei Gelenke und Sehnen enorm zu beanspruchen. Hufschmiede bestätigen, dass auch der Hufmechanismus in dieser Gangart am besten angeregt wird.

Situation bei Hauspferden

Wie sieht es heute aus? Jedem wird klar sein, dass wir selten diese Bewegungsvorgaben erfüllen können. Selbst im Sommer wird es eng. Die Koppeln zu klein, das Gras zu überzüchtet und zu dicht, das Training zu kurz, die Zeit zu knapp und so weiter. Um eine gesunde und artgerechte Haltung zu gewährleisten, müssen wir uns mehr anstrengen. Ein paar kleine Dinge können wir im alltäglichen Leben des Pferdes regeln. Verschiedene, kleine Fressplätze voneinander entfernt gestalten. Laufwege zwischen Wasser, Futter, Ruheplätze schaffen. Größere Flächen für unsere Pferde berechnen und die Boxenhaltung nur im Einzelfall in Betracht ziehen.

Schritt als Bewegungsgangart

Im Training sollten wir mit klaren Kenntnissen über unsere Schrittstrecken glänzen. Wir reiten ca. 1 km in 10 Minuten. Das bedeutet, dass wir in unseren 20 Minuten Warmreitphasen noch nicht mal die Hälfte des Pferdebedarfes erreichen. Natürlich können wir auch die Runden in der Reitbahn berechnen. Einen normal großen Reitplatz mit 20mx40m müssen wir für 1 km Strecke ca. 8 Mal umrunden. Für 6 km wären das ca. 48 Runden! Und das ist der beobachtete Mindestwert bei freilebenden Pferden an Schrittkilometern pro Tag. Vielleicht sollten wir einfach eine halbe Stunde pro Tag an Zeit anhängen und diese 30 Minuten im Schritt ins Gelände gehen. Dann kommen wir zwar immer noch nicht an die Bewegungsgrundlage der Wildpferde heran, aber wir nähern uns diesem.

Warum soll das Pferd nun nicht im Schritt latschen? Weil wir oben drauf sitzen und somit in der Verpflichtung sind, die „Reitermuskeln" zu trainieren. Gedehntes Nacken-Rücken-Band, aktiv tragende Hinterhand, gewölbter Rücken und Oberlinie. Mehr dazu findet Ihr im Artikel über Korrekte Muskelbildung bei einem Reitpferd.

Schritt = Viertakt ohne Schwebephase

Der Schritt ist ein Viertakt ohne Schwebephase, in dem eine klare, geschwungene, ausschreitende Bewegung vorherrschen sollte. Das Pferd muss sauber und weit unter den Schwerpunkt fußen, ohne dabei ins Hasten und Eilen zu geraten. Die Bewegung sollte gleichmäßig locker durch das Pferd hindurchfließen. Das unbeschwert freie Nicken des Pferdekopfes im Takt der Gangart ist hierfür ein guter Indikator. Ausbildungsfehler in allen Leistungsklassen lassen sich sehr oft im mangelhaften Schritt erkennen. Verspannungen im Pferd zeigen sich nicht selten in einem passartigen Schritt wieder, eine feste Reiterhand, die das Pferd vorne festhält und somit die Bewegung nicht mehr frei durch das Pferd hindurchfließen lässt oder ein fest gerittener Rückenmuskel beeinträchtigen die Nickbewegung des Pferdes und der Gang wird kurz und abgehackt. Den Schritt kann man nicht durch Schritt-Reiten verbessern. Er entwickelt sich aufgrund der Ausbildung in den anderen Gangarten und mit Hilfe der Seitangänge.

Schritt die gesunde Gangart

Auch für den Reiter ist Schritt eine sehr gesunde Gangart. Das Gangbild des Pferdes weist dasselbe Bewegungsmerkmal auf, wie das Gangbild des Menschens, wenn er läuft. Sitzt dieser nun auf dem Pferd, werden seine Muskeln und Körperteile passiv  in der Form bewegt, als würde er laufen...nur, dass kein Gewicht auf seine Knochen und Gelenke drückt und keine aktive Muskelkraft verwendet werden muss. Daher ist das Schritt-Reiten aus therapeutischer Sicht ein außerordentlicher Glücksfall. Auch „gesunden" Menschen tut es gut, sich in dieser Form bewegen zu lassen. Muskeln werden entspannt, trainiert und Probleme im Bewegungsapparat können verringert werden.

Am Ende ist der Schritt vielleicht die wichtigste Gangart...zur Gesunderhaltung des Pferdes, für die Kontrolle des Ausbildungsverlaufes und letztendlich auch zur Gesunderhaltung des Reiters.

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von Diana Zarrouk

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