Zurück zur Übersicht
Rubrik:
Ausbildungsserien und Praxisbeispiele
Schlagwörter

Vivian Gabor Bodenarbeit Trainertest



Trainerfeedback zum Bodenarbeitstraining mit der Stute Vicci

Vivian Gabor fasst ihre Eindrücke und Vorgehensweise zum gestrigen Bericht von Corinna Engelke zusammen.

Veröffentlicht am 16.02.2018 / Zuletzt aktualisiert am 22.02.2018

Mir ist es vor der eigentlichen Trainingseinheit sehr wichtig, dass ich erfahre, was der Besitzer über sein Pferd aussagt. Dabei geht es mir einerseits um den Inhalt:

Was für Vorerfahrungen hat das Pferd, was für problematische Situationen gibt es aus Sicht des Besitzers, und was sind dessen Ziele? Auf der anderen Seite höre ich bei diesen Aussagen auch schon viel über die Einstellung des Menschen gegenüber seinem Pferd heraus.

Welche persönlichen Anliegen hat er gegenüber dem Pferd und was für ein Verständnis und Wissen bringt er mit?

Was ich bei Corinna sehr positiv einschätze ist, dass sie Ihren Horizont - was Trainingsmethoden und -ansätze angeht - stetig weiterentwickelt. Sie bezeichnet sich selbst als Reiterin der klassischen Reitweise und reitet Turniere, dennoch schaut sie auch in andere Sparten und versucht für sich und ihre Pferde das Beste an Wissen und Können herauszuarbeiten. Damit zeigt sie gegenüber ihren Pferden ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

Corinna beschreibt mir ihre Stute als „etwas speziell“, und dass deren Verhalten mitunter auch schon für den Menschen gefährlich werden kann. Besonders was „das Hufe geben angeht“, bei dem die Stute schon des Öfteren mit starker Abwehr reagiert hat oder in Situationen, wo es um das Territorium der Stute geht: Auf der Weide ist es schon vorgekommen, dass sie Kinder gezielt mit deutlichen Angriffen von der Wiese gejagt hat.

Wenn das Verhalten eines Pferdes dem Menschen gegenüber gefährlich werden kann, ist es höchste Zeit einzuschreiten.

Wichtig ist hierfür, dass man die Emotionen beiseitelässt und sich überlegt, warum das Pferd sich so verhält. Im Falle der Stute Vicci ist ihr Verhalten wahrscheinlich dadurch zu erklären, dass sie eine Kontroll- Position in der kleinen Herde eingenommen hat, der sie womöglich noch gar nicht gewachsen ist. Dies bestätigt sich auch hier in fremder Umgebung mit ihrer Besitzerin Corinna. Vicci versucht die Situation zu kontrollieren und abzuschätzen, ob hier eine Gefahr auf sie lauert. Sie ist aufmerksam auf die Umwelt aber weniger auf Corinna. In einer stabilen Mensch-Pferd-Beziehung erledigt diese verantwortungsvolle Aufgabe der Mensch (der ja auch die Menschenwelt im Gegensatz zum Pferd besser einschätzen kann). Diese Sicherheit findet die junge Stute Vicci bei Corinna noch nicht. Ein ranghöheres Pferd hat seine Position durch seine Fitness aber auch durch seine Lebenserfahrung und Souveränität erreicht, es erntet Respekt und Vertrauen. Diese Einstellung zueinander - dass der Mensch dem Pferd gegenüber eine positive Leitfigur darstellt, bei der es Sicherheit findet - kann man vom Boden sehr gut erarbeiten.

Übungen um die Leitposition einzunehmen

Die grundsätzlichste Übung hierfür ist, dass der Mensch auf seinen Raum besteht. Dafür muss Vicci Corinnas Signale als wichtig erachten, aber auch etwas davon haben, wenn sie auf diese reagiert. Die Belohnung, die sie dafür erhält, ist Pause und Entspannung. Corinna kann die Übungen gut umsetzen und man merkt bei Vicci, dass sie den Kontrollposten schnell abgibt und sich gerne auch mal entspannt. Wir stabilisieren das Verhältnis der beiden mit weiteren weichenden Übungen.

Corinna soll mit möglichst feinen Signalen die Hinterhand und die Vorhand von Vicci verschieben können. Wichtig ist für Corinna immer, auch so viel an Reizintensität hineinzusetzen, wie sie braucht, damit Vicci reagiert - besonders beim Abstandhalten. Innerhalb weniger Sequenzen ist Vicci deutlich entspannter und wir können nach diesen Sensibilisierungsübungen mit Gewöhnungsübungen weiter machen. Auf diese Reize soll die Stute nicht überreagieren und sich nach und nach auch in dieser Situation entspannen: Es wird ja auf sie aufgepasst - Ich mache diese Übung an Vicci vor, damit Corinna sieht, in welchem Moment es wichtig ist, den Schreckreiz wieder wegzunehmen. Wir wollen das junge Pferd auf keinen Fall überfordern – das Pferd soll immer mitmachen dürfen.

Die beruhigende Kopfsenk-Übung, die wir vorher Vicci gezeigt haben, können wir hier hervorragend zur Entspannung integrieren. Ich gebe Corinna mit auf den Weg, mit diesem Ansatz weiter zu trainieren. Sie soll in kurzen Einheiten arbeiten, damit Vicci motiviert bleibt. Denn diese Art des Trainings ist geistig sehr anspruchsvoll für das Pferd.

Das Ziel soll sein, Vicci zu entspannen und ihr Sicherheit zu geben, sie aber in kurzen Momenten wieder zur Reaktion zu motivieren.

Trainerfazit

Diese junge Stute hat viel Potential, das man in die richtigen Bahnen lenken muss. Wenn sie weiß, was sie tun soll und wofür sie es macht, dann wird sie sich zu einem Pferd entwickeln, das bereit ist, dem Menschen sehr viel zu geben!

Verwandte Produkte

von Dr. Vivian Gabor

Schlagwörter: Vivian Gabor Bodenarbeit Trainertest

Diesen Beitrag teilen auf...

Kommentare

comments powered by Disqus