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Pferdeernährung
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Da ist doch alles drin! – Oder nicht? Mineralversorgung von Pferden im Stall und während der Weidesaison

Welche Supplemente braucht ein erwachsenes Freizeitpferd auf der Weide und im Stall? Unsere Fütterungsexpertin Dr. Kathrin Irgang gibt einen Überblick.

Veröffentlicht am 29.06.2017 / Zuletzt aktualisiert am 30.08.2017

Pferde auf der Weide mit genügend hohem Aufwuchs, sauberem Wasser und einem Salzleckstein sind gut versorgt – das meinen jedenfalls viele Besitzer. Doch wenn aktuelle Laboranalysen von Weidegras (Analyse der Rohnährstoffe und des Mineralgehalts zur Bestimmung des Futterwerts) den seit 2014 veröffentlichten neuen Bedarfswerten für Pferde gegenübergestellt werden, ergibt sich ein anderes Bild.

Deutlich mehr Futter als früher geschätzt wird von den Pferden gefressen, wobei Weidegras ganz hoch im Kurs steht. Es wird noch lieber aufgenommen als Heu, Heulage oder Stroh.

Im Schnitt nehmen Pferde bei freiem Futterangebot rund 100 g Trockensubstanz/kg KM0,75 (metabolische Körpermasse) bzw. 23 g Trockensubstanz/kg KM und Tag auf. Bei 24 Stunden Weidegang bedeutet das für ein 500 kg Warmblut, dass es ca. 55-60 kg Weidegras pro Tag frisst. Die meisten Pferde nehmen deshalb in der Weidesaison deutlich an Körpermasse zu.

Die Energie- und Eiweißversorgung ist unproblematisch, ebenso sind Mengenelemente (Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium, Natrium und Chlorid) reichlich im Weidegras vorhanden. Ein Mehrbedarf an Salz (Natrium und Chlorid) entsteht, wenn die Pferde schwitzen, weshalb das Angebot eines einfachen Salzlecksteins wichtig ist. Anders sieht es im Bereich der Spurenelemente aus, vor allem bei Zink und Selen.

Während die Kupferversorgung oft noch knapp gedeckt ist, reichen bei Zink und Selen die Gehalte im Weidegras definitiv nicht aus, um den Bedarf zu decken: Eisen und Mangan sind reichlich im Weidegras vorhanden. In küstenfernen Regionen sollte die Versorgung mit Jod sichergestellt sein (Bedarf 1,6 mg/500 kg KM und Tag). Bei den fettlöslichen Vitaminen (A, D, E) braucht ein Weidepferd keine Ergänzung. Fazit: Bei reiner Weidehaltung erwachsener Freizeitpferde sollten Spurenelemente in Form von Weidemineralfutter ergänzt werden. Bei üblicher Mineraldosierung von 20 g/100 kg KM sollten in der Deklaration pro kg Mineralfutter folgende Gehalte zu finden sein: Kupfer 400-500 mg, Zink 3.000-4.000 mg, Jod und Selen 10-15 mg. Hier sind anorganische Salze und organische Verbindungen zu unterschieden: Sulfate und Oxide sind günstiger in der Produktion, aber schlechter bioverfügbar als an Eiweiß gekoppelte Verbindungen („Chelate“). Viele Hersteller kombinieren beide Möglichkeiten und erreichen damit, dass mehr im Pferd ankommt. Eine individuelle Versorgung mit Weidemineralfutter ist einem Angebot einer Leckmasse immer vorzuziehen. Viele Produkte sind melassiert und schmecken den Pferden einfach gut – unabhängig vom Mangel. 

von Dr. Kathrin Irgang

Schlagwörter: Mineralfutter Zink Selen Kupfer Fütterung Stall Fütterung Weidesaison

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen