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Rubrik:
Pferdeernährung


Versorgung mit fettlöslichen Vitaminen bei Stall- und Weidehaltung

Was ist der Unterschied bei den fettlöslichen Vitamine in Heu und in Gras?

Veröffentlicht am 27.07.2017 / Zuletzt aktualisiert am 21.11.2017

Bei den fettlöslichen Vitaminen gibt es einen Unterschied hinsichtlich der Gabe von Heu/Heulage im Vergleich zum frischen Grün auf der Weide: Gras enthält Karotin, das vom Pferd in Vitamin A umgewandelt wird. Schon während der Trocknung nimmt der Gehalt um ca. 90 % ab. Zusätzliche Verluste entstehen durch die Lagerung.

Ähnlich verhält es sich mit Vitamin E. Vitamin D wird durch Sonneneinstrahlung bei der Trocknung gebildet und ist eher reichlich im Heu vorhanden. Eine Supplementierung scheint hier nicht unbedingt erforderlich, wird allerdings aus Sicherheitsgründen empfohlen. 

Übersicht fettlösliche Vitamine beim Pferd:

Fettlösliche Vitamine Bedeutung bei Mangel bei Überschuss was untersuchen?
Vitamin A Epithelschutz-vitamin, wichtig für Haut und Schleimhaut, Knochenstoffwechsel Verhornung von Haut und Schleimhaut, Infektanfälligkeit, schlechtes Hufhorn Vergiftung: raues Haarkleid, Depressionen, unkoordinierter Gang Blut
Vitamin D Calcium- und Phosphor-Aufnahme aus dem Darm, Rückresorption von Calcium aus der Niere nicht bekannt Gewebeverkalkung, Vergiftung mit Lahmheit, Nierenversagen Blut
Vitamin E Antioxidans, v.a. in Herz- und Skelettmuskulatur Muskelprobleme, Infektanfälligkeit eher teuer als schädlich Blut

Fazit: Pferde mit wenig Weidegang und Heu/Heulage in der Ration sollten ein „Komplett“-Mineralfutter erhalten (mit Mengen- und Spurenelementen und fettlöslichen Vitaminen). Auf Calciumgehalte bis 15 %, Kupfer um 500 mg, Zink um 4.000 mg, Jod und Selen ca. 10-15 mg Vitamin A bis 500.000 IE, Vitamin D bis 40.000 IE und Vitamin E bis 6.000 mg pro kg Mineralfutter sollte man achten (bei einer Dosierung von 20 g/100 kg KM). Die Tendenz geht auch hier zu geringeren Gehalten.

Diese allgemeinen Empfehlungen gelten für Rationen aus Gras, Heu, Getreide und einem Salzleckstein. Wenn Müsli und/oder Pellets (Ergänzungsfutter) in die Ration kommen, sollte die Mineralfuttergabe reduziert werden. Bei Erkrankungen und sportlicher Belastung oder auch in der Zucht und Aufzucht ist der hier skizzierte Bedarf zu niedrig angesetzt. Da Blutuntersuchungen nur begrenzt geeignet sind, die Versorgungslage eines Pferdes zu überprüfen, hilft eine Rationsberechnung, den Überblick zu behalten, gerade wenn z.B. noch Ergänzungen für „gute Hufe“ (z.B. Biotin + Cu, Zn, Se) und zur „Unterstützung der Muskulatur“ (Vitamin E + Selen) und „für die Gelenke“ (mit Vitaminen, Spurenelementen) kurweise gegeben werden. Dazu werden Gewicht und Ernährungszustand des Pferdes, gewogene Futtermengen und neben Raufutteranalysen die Deklarationen der eingesetzten Futtermittel benötigt. Gut gefüttert ist oft nicht optimal ernährt – und viel hilft nicht immer viel!

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von Dr. Kathrin Irgang

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen