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Rubrik:
Rasseportraits


Der Sperrriemen

Ursprünglich erfunden wurde der Sperrriemen für den Gebrauch in der Schlacht während des ersten Weltkrieges. Damals brachen sich viele Pferde beim Sturz den Kiefer, wenn sie mit offenen Mäulen stürzten. Um das zu verhindern, wurde der Sperrrriemen erfunden. Er sollte die Pferde also vor Schaden und Verletzungen schützen, in Zeiten in denen ein Einsatz von Pferden im Krieg unvermeidbar war. Er diente also damals, so makaber das aus heutiger Sicht klingen mag, dem Pferdeschutz.

 

Die heutigen Bilder von viel zu eng verschnallten Sperrriemen zu kritisieren, war unserem Autor ein Anliegen.

Veröffentlicht am 08.01.2017 / Zuletzt aktualisiert am 12.10.2017

Das Kiefergelenk gilt als Schlüsselgelenk der Reiterei. Wenn das Pferd zufrieden am Gebiss kaut, dann ist es leicht in der Hand, locker und leichtrittig. Alle Reitweisen verfolgen dieses Ziel, lediglich die Methodik ist aus verschiedenen Gründen berechtigterweise unterschiedlich. Dieses gewünschte Kauen des Pferdes bedeutet letztendlich  gleichmäßige Bewegungen im Kiefergelenk, die nach der Idee von Gustav Steinbrecht (Richte Dein Pferd gerade und reite es vorwärts) durch die Bewegungen im Hüftgelenk herbeigeführt werden sollen. Richte Dein Pferd gerade bedeutet letztendlich, dass sich beide Hinterbeine möglichst gleichmäßig bewegen sollen, was sie vorrangig im Hüftgelenk tun. Vorwärts bedeutet fleißig, nicht eilig. So soll ein größtmögliches Bewegungsausmaß der Hinterbeine im Hüftgelenk erreicht werden. Die großen und gleichmäßigen Bewegungen der Hinterbeine im Hüftgelenk lockern die das Hüftgelenk umgebende Muskulatur, z.B. den mittleren Kruppenmuskel, der direkt mit dem langen Rückenmuskel verbunden ist. Dieser zieht mit seinen Anteilen bis zum Genick des Pferdes, welches muskulär mit dem Kiefergelenk verbunden ist. Wird also der Steinbrecht-Satz korrekt umgesetzt, werden über die Mobilisation der Hüftgelenke letztendlich die Kiefergelenke bzw. deren Muskulatur gelockert.

Das Pferd möchte locker und zufrieden sein und beantwortet die beginnende Lockerung der Muskulatur, indem es nun seinerseits durch Kauen die weitere Lockerung der Muskulatur unterstützt. Aber wie soll es das, wenn ihm gerade in dem Bereich, wo die Bewegungen in den Kiefergelenken das größte Bewegungsausmaß haben (am Maul), Ober- und Unterkiefer aufeinander geschnürt werden?

Aber wenn man es mit so eng verschnallten Sperriemen auf die Titelseiten der Fachzeitschriften schafft, dann kann es ja bei der täglichen Arbeit nicht verkehrt sein, dem Pferd seinen Wunsch nach Lockerheit zu versperren. In diesen Fachzeitschriften scheint es ebenfalls völlig normal zu sein, dass immer wieder gefragt und beantwortet wird, wie man beim Pferd erreichen kann, was das Pferd selber möchte. Locker und zufrieden sein. Der Sperrriemen und die Frage nach einem zufriedenen und entspannten Pferd:

Zwei ganz normale Dinge….
Der Sperriemen heißt so, weil sich das Pferd dagegen sperrt. Und das tut es, weil dieser Riemen die Möglichkeit versperrt, locker zu werden.
Reiten soll doch Spaß machen, bitte auch dem Pferd!
Wer hat denn nun wirklich gewonnen?

 

(Text und Bilder: Ralf Döringshoff)

von Ralf Döringshoff

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Expertenteam

Ralf Döringshoff
  • Besamungstechniker für Pferde
  • Pferdewirtschaftsmeister Zucht+Haltung
  • Trainer Leistungssport (mit Lütke-Westhues-Auszeichnung)
  • Osteopath und Physiotherapeut f. Pferde n. Welter-Böller
Dr. Kathrin Irgang
  • Veterinärmedizin
  • Ernährungsberatung Kleintiere
  • Führt eine Ernährungsberatungspraxis für Pferde, Hunde und Katzen